Aller Anfang ist schwer


Der erste Satz eines Buches entscheidet, ob der Leser/die Leserin weiterliest. Und daher ist es wichtig, sich diesen Beginn genau zu überlegen. Man unterscheidet dabei verschiedene Arten eines Beginns.

 

Da wäre zunächst die "szenische Eröffnung". Hier ist man sofort in der Szene, ohne zu wissen, wer uns die Geschichte erzählt. 

 

Oder die "epische Eröffnung". Hier nähert man sich aus der Ferne dem Detail, wie mit einer Kamera aufgenommen. 

 

Oder die "figurenorientierte Eröffnung". Bei dieser Art begegnet man sofort einer Person, die im Buch eine Rolle spielt. Meine Heaven-Reihe ist mit dieser Art der Eröffnung gestartet. 

 

Als letztes wäre noch die "literarische Eröffnung" zu nennen. Man weiß sofort, wo man sich befindet, ohne ein Bild geliefert zu bekommen. 

 

In einer Schreibkurs-Hausaufgabe mussten wir uns eine dieser Eröffnungen aussuchen.... Hier mein Ergebnis. Vielleicht gefällt es euch ja. Wenn ja, lasst es mich wissen. 

 

Zwei Raben in stürmischer Nacht

In einer Zeit, als die Menschen noch zu den alten Göttern beteten und Aberglaube das Leben bestimmte, wurde in einer stürmischen, kalten Nacht weit oben im Norden Zwillinge geboren. Sie mögen vielleicht sagen, was ist daran ungewöhnlich, aber auf dieser Siedlung schien ein Fluch zu liegen, denn in den letzten 10 Jahren wurden dort keinerlei Kinder geboren. Keine Frau wurde schwanger, obwohl die weise Frau all ihr Wissen nutzte.

Umso mehr verwunderte es die Bewohner, als zwei Raben erschienen und sich auf dem First des Hauses niederließen. Einer dieser Raben war weiß wie frisch gefallener Schnee und der andere tiefschwarz wie die Nacht.

Sie krächzten laut, als wollten sie die Geister zusammenrufen. Wenig später hörte man das zarte Schreien zweier Neugeborener.

„Sagt, weise Gudrun, sind die Kinder gesund?“, wollte der Vater wissen, der nun endlich herein kommen durfte. „Sind es zwei kräftige Jungen, die eines Tages meine Nachfolger werden und die Menschen hier gemeinsam führen werden?“

Die alte Frau blickte ihn an und wischte dabei das Blut von den Händen. „Gesund sind sie, doch es ist nur ein Junge. Das andere ist ein Mädchen.“

„Ich habe einen Sohn und eine Tochter?“, fragte Connor erstaunt.

„Aye, so ist es. Beides wunderschöne Kinder. Allerdings spüre ich, dass ihnen etwas besonderes anhaftet.“ Gudrun erhob sich stöhnend. Man munkelte, sie wäre schon über 70 Lenze alt, was niemand so recht glauben konnte.

„Wie meinst du das?“

„Hast du die beiden Raben auf deinem Dach gesehen? So unterschiedlich wie deren Gefieder gefärbt ist, so unterschiedlich ist das Haar deine Kinder. Das ist ein Zeichen der Götter, da bin ich sicher.“

„Und wie geht es meiner Gemahlin? Ist sie wohlauf?“, verlangte Connor zu wissen.

Gudrun griff nach seiner Hand und drückte sie fest. „Du musst jetzt stark sein, deine Kinder brauchen dich. Deine Eileen ist zu den Göttern gegangen. Die Geburt war zu viel für sie. Ich konnte sie nicht retten.“

Mit einem heiseren Schrei sank der großgewachsene Mann, der die Verantwortung für alle Menschen hier trug, auf den Boden. „Was soll ich nun tun? Eileen!“, schrie er. „Wo bist du?“... 

 

 

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